Meditation · Lesezeit ca. 5 Min.
Body-Scan: So gehst du die Übung Schritt für Schritt an
Beim Body-Scan richtest du deine Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Bereiche deines Körpers. Du musst dabei nichts verändern und keine besondere Empfindung erreichen. Die Übung besteht vor allem darin, wahrzunehmen, was gerade da ist: vielleicht Wärme, Druck, Kribbeln, Bewegung oder auch wenig bis gar nichts.
Der Body-Scan ist eine Achtsamkeitsübung, die sich im Liegen oder Sitzen durchführen lässt. Eine feste Reihenfolge hilft dir, bei der Wahrnehmung zu bleiben, ohne gedanklich ständig den nächsten Schritt planen zu müssen. Der Body-Scan gehört auch zu den Übungen des Achtsamkeitsprogramms MBSR, das wir in Was ist MBSR? vorstellen. Die folgende Anleitung führt dich von der Vorbereitung bis zum Abschluss.
Body-Scan-Anleitung: Das brauchst du für den Anfang
Für die Übung genügt ein Ort, an dem du für eine Weile möglichst ungestört bist. Du brauchst keine besondere Ausrüstung. Wähle eine Haltung, in der du aufmerksam bleiben kannst und die sich für dich angenehm anfühlt. Das kann auf dem Rücken liegend oder auf einem Stuhl sitzend sein. Wie du dir zu Hause einen festen Ort dafür einrichtest, beschreibt unser Ratgeber Einen Meditationsplatz zu Hause einrichten.
Achte darauf, dass dein Körper beim Üben ausreichend gestützt ist. Im Sitzen kannst du die Füße auf den Boden stellen und die Hände locker ablegen. Passe deine Haltung an, wenn sie unbequem wird. Es geht nicht darum, eine Position möglichst lange auszuhalten.
Nimm dir einen überschaubaren Zeitraum vor. Gerade am Anfang kann eine kürzere Übung helfen, den Ablauf kennenzulernen. Du kannst später einzelne Körperbereiche länger betrachten oder die gesamte Runde ausdehnen. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern dass du ohne Druck übst. Wie aus einzelnen Einheiten eine feste Praxis wird, zeigt unser Artikel Regelmäßig meditieren.
Bevor du beginnst, prüfe kurz, ob du dich sicher und ausreichend wohl fühlst. Wenn die Aufmerksamkeit auf den Körper unangenehme Empfindungen verstärkt, kannst du die Übung unterbrechen, die Augen öffnen und dich wieder an deiner Umgebung orientieren. Du musst nichts erzwingen.
Schritt für Schritt durch den Body-Scan
1. Ankommen und Haltung wahrnehmen
Nimm deine gewählte Position ein. Spüre zunächst die Stellen, an denen dein Körper den Boden, die Unterlage oder den Stuhl berührt. Du kannst bemerken, wo Gewicht aufliegt und welche Bereiche gestützt werden.
Lass den Atem so fließen, wie er gerade fließt. Du musst ihn weder vertiefen noch verlangsamen. Wenn Gedanken auftauchen, registriere sie kurz und kehre zur Wahrnehmung der Haltung zurück.
2. Die Aufmerksamkeit zu den Füßen bringen
Richte deine Aufmerksamkeit auf die Zehen, die Fußsohlen und die Fersen. Nimm wahr, ob du dort Druck, Temperatur, Kontakt zur Unterlage oder eine andere Empfindung bemerkst. Vielleicht gibt es auch keinen klaren Eindruck. Auch das kannst du einfach feststellen.
Versuche nicht, bestimmte Gefühle hervorzurufen. Der Body-Scan ist kein Vorstellungsbild, in dem du dir den Körper besonders deutlich ausmalen musst. Du beobachtest, was tatsächlich wahrnehmbar ist, und bleibst für einen Moment bei diesem Bereich.
3. Beine und Becken einbeziehen
Wandere mit deiner Aufmerksamkeit langsam zu den Knöcheln, den Unterschenkeln und den Knien. Nimm anschließend die Oberschenkel und das Becken wahr. Du kannst den gesamten Bereich auf einmal betrachten oder die Aufmerksamkeit Schritt für Schritt weiterbewegen.
Vielleicht bemerkst du den Kontakt zur Unterlage, eine Bewegung beim Atmen oder ein Gefühl von Spannung. Benenne die Wahrnehmung innerlich schlicht, etwa als „Druck“ oder „Wärme“, wenn dir das hilft. Vermeide es, daraus sofort eine Bewertung oder Erklärung abzuleiten.
4. Bauch und Rücken wahrnehmen
Richte deine Aufmerksamkeit auf den Bauch. Dort kann sich mit jedem Atemzug eine Bewegung zeigen. Du musst den Bauch nicht absichtlich bewegen; beobachte lediglich, ob und wie du etwas wahrnimmst.
Anschließend kannst du den unteren Rücken, den mittleren Rücken und den oberen Rücken einbeziehen. Manche Stellen sind leicht zu spüren, andere weniger deutlich. Es ist in Ordnung, bei einem Bereich nur kurz zu verweilen und dann weiterzugehen.
5. Brustraum, Schultern und Arme erkunden
Nimm den Brustraum wahr, ohne den Atem zu kontrollieren. Spüre danach die Schultern. Vielleicht bemerkst du, wie sie aufliegen oder wie sich ihre Haltung anfühlt. Wenn du dort Anspannung wahrnimmst, musst du sie nicht sofort lösen. Zuerst reicht es, sie zu bemerken.
Wandere weiter zu den Oberarmen, den Ellenbogen und den Unterarmen. Beziehe anschließend Handgelenke, Handflächen und Finger ein. Achte auch auf den Kontakt der Hände zur Kleidung oder zur Unterlage, sofern du ihn wahrnimmst.
6. Nacken und Kopf einbeziehen
Richte deine Aufmerksamkeit auf den Nacken und den Hals. Gehe danach zum Kiefer, zu den Wangen und zur Stirn. Zum Schluss kannst du die Augenpartie und den gesamten Kopf wahrnehmen. Lass die Gesichtsmuskeln dabei so, wie sie sind. Die Übung verlangt nicht, dass du dein Gesicht entspannst.
Wenn ein Körperbereich schwer zugänglich wirkt, verweile nicht mit Gewalt dort. Du kannst die Aufmerksamkeit kurz auf einen neutraleren Kontaktpunkt richten, zum Beispiel auf die Füße oder die Hände, und dann entscheiden, ob du fortfahren möchtest.
7. Den ganzen Körper wahrnehmen
Nachdem du die einzelnen Bereiche erkundet hast, richte deine Aufmerksamkeit auf den Körper als Ganzes. Nimm wahr, wie du liegst oder sitzt und welche Empfindungen gerade besonders deutlich sind. Vielleicht spürst du mehrere Bereiche gleichzeitig. Vielleicht bleibt die Wahrnehmung eher allgemein.
Bleibe für einige Atemzüge bei diesem Gesamteindruck, ohne nach einem besonderen Abschlussgefühl zu suchen. Der Body-Scan muss sich nicht vollständig oder gleichmäßig anfühlen. Eine Körperregion kann deutlicher sein als eine andere, und die Wahrnehmung kann sich während der Übung verändern.
8. Die Übung beenden
Löse die Aufmerksamkeit langsam vom Körper als Ganzem und richte sie auf den Raum um dich herum. Nimm Geräusche wahr und spüre erneut den Kontakt zur Unterlage. Wenn du liegst, kannst du dich vorsichtig bewegen und dich in deinem eigenen Tempo aufrichten. Im Sitzen reicht es, die Umgebung bewusst wahrzunehmen, bevor du zur nächsten Tätigkeit übergehst.
Was tun, wenn die Gedanken abschweifen?
Abschweifende Gedanken gehören zum Üben dazu. Vielleicht planst du den Tag, erinnerst dich an eine Aufgabe oder überlegst, ob du die Übung richtig machst. Sobald du bemerkst, dass du gedanklich nicht mehr bei einer Körperregion bist, kehre freundlich zu ihr zurück.
Du musst den Ablauf nicht von vorn beginnen. Setze einfach dort wieder an, wo du gerade bist. Eine innere Orientierung wie „Jetzt sind die Hände dran“ kann helfen, die Aufmerksamkeit zurückzuführen. Betrachte das Zurückkommen nicht als Unterbrechung, sondern als Teil der Übung.
Auch Unruhe oder Ungeduld können auftauchen. Du kannst sie als aktuelle Wahrnehmung registrieren, statt dich dafür zu kritisieren. Wenn es sich für dich nicht stimmig anfühlt, die Aufmerksamkeit weiter nach innen zu richten, beende den Body-Scan und orientiere dich an äußeren Eindrücken.
Häufige Schwierigkeiten beim Body-Scan
Ich spüre in manchen Bereichen nichts
Nicht jede Körperregion ist jederzeit gleich deutlich wahrnehmbar. Du kannst kurz feststellen, dass gerade kein klarer Eindruck da ist, und anschließend zum nächsten Bereich gehen. Es gibt keine Pflicht, eine Empfindung zu finden oder sie besonders intensiv wahrzunehmen.
Ich beginne, meinen Körper zu bewerten
Gedanken wie „Das sollte anders sein“ oder „Diese Stelle fühlt sich falsch an“ können während der Übung auftauchen. Wenn du sie bemerkst, kannst du sie als Gedanken erkennen und zur unmittelbaren Wahrnehmung zurückkehren. Der Body-Scan ist keine Aufforderung, den Körper zu beurteilen oder zu verändern.
Eine Empfindung wird unangenehm
Du darfst deine Haltung verändern, die Aufmerksamkeit auf einen anderen Bereich lenken oder die Übung beenden. Achtsamkeit bedeutet nicht, unangenehme Empfindungen um jeden Preis auszuhalten. Wenn die Übung wiederholt stark belastend wirkt, kann eine fachkundige Ansprechperson dabei helfen, eine passende Form der Praxis zu finden.
Fazit
Ein Body-Scan führt die Aufmerksamkeit Schritt für Schritt durch verschiedene Körperbereiche. Du beobachtest Empfindungen, ohne sie erzwingen oder bewerten zu müssen. Beginne in einer passenden Haltung, kehre bei Ablenkung freundlich zur Wahrnehmung zurück und beende die Übung, wenn sie sich für dich nicht stimmig anfühlt. Weitere Übungen und Anleitungen findest du in unserer Rubrik Meditation.
Häufige Fragen
Muss ich für den Body-Scan eine geführte Aufnahme verwenden?+
Nein, du kannst die einzelnen Schritte auch selbst durchgehen. Eine gesprochene Anleitung kann Orientierung geben, ist aber keine Voraussetzung. Wenn du eine Aufnahme verwendest, sollten ihre Stimme und ihr Tempo für dich angenehm sein.
Was kann ich tun, wenn ich beim Body-Scan einschlafe?+
Wenn du wach bleiben möchtest, kannst du die Übung sitzend durchführen oder eine Tageszeit wählen, in der du dich eher aufmerksam fühlst. Auch eine etwas aufrechtere Haltung kann dabei helfen, die Übung klarer zu verfolgen. Falls Müdigkeit für dich kein Problem ist, kannst du sie einfach als Teil deiner momentanen Verfassung wahrnehmen.
Kann ich die Augen während des Body-Scans geöffnet lassen?+
Ja. Du kannst die Augen geschlossen halten oder den Blick ruhig auf einen Punkt vor dir richten. Wähle die Variante, bei der du dich sicher und ausreichend präsent fühlst.
Ist ein Body-Scan auch in Bewegung möglich?+
Die hier beschriebene Übung findet in einer ruhigen Haltung statt. Eine achtsame Wahrnehmung des Körpers ist auch bei langsamen Bewegungen denkbar, folgt dann aber einem anderen Ablauf. Wenn du üben möchtest, dich während der Bewegung aufmerksam wahrzunehmen, kannst du dafür eine eigene Bewegungsübung wählen.